Auf den Spuren der Sonne durch die Josefstadt

Unter dem Motto „Hitze sichtbar machen“ wurde am Freitagnachmittag, den 22. Mai, die Josefstadt aus einer neuen Perspektive erkundet: Mit einer Wärmebildkamera untersuchten wir gemeinsam heiße und kühle Orte im Bezirk und gingen der Frage nach, wie sich sommerliche Hitze im Grätzl reduzieren lässt. Ziel des Spaziergangs war es, sichtbar zu machen, wo es angenehm kühl bleibt, wo sich Hitze besonders stark staut und gemeinsam zu überlegen, welche Maßnahmen notwendig sind, um die Josefstadt langfristig klimafit zu gestalten. Mit der Wärmebildkamera konnten wir Oberflächentemperaturen von Straßen, Fassaden, Plätzen und Grünflächen sichtbar machen, die sonst für das menschliche Auge unsichtbar bleiben. Dabei zeigte sich deutlich, dass verschiedene Materialien die Wärme unterschiedlich speichern.

Fotocredit: LA21 Wien & Alex Hauff
Fotocredit: LA21 Wien & Alex Hauff

Start des Spaziergangs war im begrünten Melkerhof. Trotz angenehmen 22°C mit wechselnder Bewölkung und Sonnenschein ließen sich an der von Wildem Wein bewachsenen Fassade erste Temperaturunterschiede erkennen: Die von Pflanzen bedeckte Fläche zeigte sich auf der Wärmebildkamera deutlich kühler als die darüber liegende Putzfassade. Im Hochsommer werden diese Unterschiede noch stärker ausgeprägt sein, denn auch in Wien machen sich die Folgen der Klimakrise u.a. durch zunehmende heiße und trockene Sommer bemerkbar. So wurden allein im Jahr 2024 in Wien 45 Hitzetage registriert – das sind Tage mit einer Höchsttemperatur von mind. 30°C. Das stellt einen Höchstwert seit Beginn der Messungen im Jahr 1951 dar. Zudem entsteht in dicht bebauten Städten dabei der sogenannte „städtische Wärmeinseleffekt“. Versiegelte Flächen wie Asphalt oder Beton heizen sich tagsüber stark, und speichern große Mengen an Wärme und geben diese nachts wieder ab, wodurch Städte deutlich langsamer abkühlen als das ländliche Umland. Maßnahmen zur Kühlung der Stadt gewinnen daher immer mehr an Bedeutung. 

Fotocredit: Grätzllabor Josefstadt

Beim „Temperaturspaziergang“ erkundeten wir daher sowohl kühle, grüne Orte als auch stark versiegelte Plätze und Straßen mit Verbesserungspotenzial. Mithilfe der Wärmebildkamera wurde etwa im Schönbornpark sichtbar, dass begrünte und beschattete Orte deutlich niedrigere Oberflächentemperaturen aufwiesen: Wiesen und Schattenflächen traten auf der Kamera in Grün- und Blautönen zwischen orangen Asphaltflächen hervor. 

Anschließend besuchten wir auch zwei ganz neue „Mikrogrünflächen“, die vom Begrünungsteam 1080 bei ihrem Planting Day im April bepflanzt wurden: Die Pflanztröge in der Lange Gasse 58 und die Baumscheibe vor Wickenburggasse 8. Durch den Blick der Wärmebildkamera erlebten wir, dass schon kleine Begrünungsmaßnahmen positive Auswirkungen auf das Mikroklima haben können und jede bepflanzte Fläche ein wertvoller Beitrag zu einer klimafitten Stadt ist.

Fotocredit: LA21 Wien & Alex Hauff

Nächster Stopp am Spaziergang waren die Fassadenbegrünungen am Wohnhaus in der Lange Gasse 41 und bei der gegenüberliegenden Volksschule Lange Gasse 36. Fassadenbegrünungen wirken während Hitzeperiode gleich doppelt: Einerseits verbessern sie mit ihren ökologischen Fähigkeiten die Luftqualität, die Biodiversität und kühlen mit ihrer Verdunstungskühlung den Stadtraum. Andererseits können Fassadenbegrünungen die Wärmeeinstrahlung auf Gebäude deutlich reduzieren. So wurde zum Beispiel bei Fassadenbegrünung der MA48 nachgewiesen, dass begrünte Fassaden den Wärmedurchgang im Sommer um bis zu 50 % reduzieren können, wodurch Innenräume kühler bleiben. Die beiden Fassadenbegrünungen in der Lange Gasse sind besonders eindrucksvolle Beispiele.

Eine Frau schaut durch eine Wärmebildkamera
Fotocredit: LA21 Wien & Alex Hauff
Fotocredit: Grätzllabor Josefstadt

Durch die Maria-Treu-Gasse führte unser Weg abschließend zum Jodok-Fink-Platz mit seinem historisch bedeutenden Gebäudeensemble um die Piaristenkirche. Die Wirkung der Sonnenstrahlen, die sich nun ihren Weg zwischen den Wolken hervorgebahnt hatte, ließ sich am stark versiegelten Platz auch in der Wärmebildkamera ablesen. Besonderen Spaß mit der Kamera hatten hier die beiden teilnehmenden Kinder, die jeden Winkel des Platzes erkundeten und fotografierten. Insgesamt erhielten die Spaziergängerinnen durch das interaktive Format mit der Wärmebildkamera neue Eindrücke zur Klimaanpassung im Stadtraum. Gleichzeitig wurde durch Gespräche mit dem Begrünungsteams deutlich, dass auch gemeinschaftliches Engagement einiges bewirken kann. 

Wenn ihr Lust habt, gemeinsam mit dem Begrünungsteam 1080 die Josefstadt noch kühler und grüner zu machen, meldet euch unter:  begruenungsteam1080@gmail.com

Fotocredit: Begrünungsteam 1080

Hinweis: Dieser Beitrag stammt von Bürger:innen, die sich im Aktionsprogramm Grätzloase engagieren. Für die Inhalte sind die Bürger:innen daher selbst verantwortlich. 

Hinweis: Dieser Beitrag stammt von Bürger:innen, die sich im Grätzllabor engagieren. Für die Inhalte sind die Bürger:innen daher selbst verantwortlich. 

LA21 Wien & Alex Hauff