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Christine & Peter machen Platz für Menschen und bauen ein Schiff für Breitensee

Ein graues Straßenstück wird zu einem belebten Ort. Nun soll mit GRÄTZILLA ein Schiff in Breitensee anlegen.

Christine und Peter leben seit vier Jahren in Breitensee. Schon vor ihrem Umzug haben sie den Stadtteil erkundet. Sie interessierten sich für seine Geschichte, seine Grünräume und die Menschen, die dort leben.

Beide kommen aus dem Kunst- und Kulturbereich und beschäftigen sich mit Design, Sprache und Architektur. Sie beobachten genau, wie Straßen und Plätze funktionieren. Besonders spannend finden sie, Orte und Situationen im Stadtraum zu entdecken, die mit ihrem „gewissen Etwas“ die Fantasie anregen. Ihre Haltung bringen sie mit einem Satz auf den Punkt:

„Wenn es heißt: Da kamma nix machen. Das ist dann für uns ein Trigger: Da machma was draus!“

Heute engagieren sich Christine und Peter als Grätzlmacher:innen im Grätzllabor Penzing. Gemeinsam mit weiteren Nachbar:innen und Macher:innen aus ganz Wien gestalten sie den Laurentiusplatz in Breitensee.

Laurentiusplatz als öffentlicher Raum

Der Laurentiusplatz liegt hinter einer alten Backsteinkirche. Gleich daneben befinden sich ein Nachbarschaftsgarten mit Holzbackofen und eine Büchertauschzelle. Eine gemütliche Bistro-Bar und das legendäre Arthouse-Kino Breitenseer Lichtspiele sind nur wenige Schritte entfernt.

Trotz dieser besonderen Umgebung war das kurze Straßenstück lange vor allem eines: ein asphaltierter Platz mit 18 Parkplätzen und im Sommer heizte sich die Fläche stark auf, ein dunkelrote Zone auf der Wiener Klimakarte.

Nach einer Bürger:innenpetition sperrte der Bezirk 2024 das Straßenstück erstmals vorübergehend für Autos. Anfangs wussten viele Menschen nicht so recht, warum die Straße gesperrt war, es wirkte wie eine Baustelle. Trotzdem nutzten Kinder und Eltern den neu gewonnenen Platz schon zum Spielen.

Christine und Peter sahen darin eine Möglichkeit, aktiv zu werden. Gemeinsam mit Nachbar Gerhard und weiteren Engagierten überlegten sie, was an diesem Ort entstehen könnte.

Aus der ersten Straßensperre entwickelte sie Schritt für Schritt das Projekt Laurentiusplatz.Machen.

Kultur auf der Straße

Seit 2025 macht die Gruppe mit Unterstützung des Bezirks und des Grätzllabors Platz für mehr Pflanzen, Hochbeete, Picknicktische und ein kleines Podium. Gleichzeitig entwickelt sie ehrenamtlich ein vielfältiges Programm:

Auf dem Laurentiusplatz gab es bereits Improvisationstheater, Konzerte, Speckstein-Workshops, Gespräche über Stadtentwicklung, Siebdruckworkshops, einen Fahrradparcours, Literatur-Lesungen mit Musik und sogar eine VOLXkino-Nacht. Nachbar:innen backen gemeinsam Pizza, gießen die Blumen, machen Pause oder kommen auf ein Eis und einen Plausch vorbei.

Christine und Peter laden dafür auch Kultur-, Wissenschafts- und Sozialeinrichtungen ein. Die Idee ist einfach: Zusammen mit bestehenden Organisationen aus der ganzen Stadt (und auch schon aus dem Ausland) entwickeln sie neue Formate am Platz unter freiem Himmel. So entfaltet sich der Laurentiusplatz als offene Bühne für Breitensee.

Dabei lässt sich nicht alles planen. Das Wetter, zufällige Passant:innen und spontane Gespräche bestimmen immer mit, was passiert. Genau das schätzen Christine und Peter. Im öffentlichen Raum treffen Menschen aufeinander, die sich sonst vielleicht nie begegnen würden.

Aus Skepsis wird Unterstützung

Nicht alle Menschen waren von Anfang an überzeugt. Einige Anrainer:innen ärgerten sich über die wegfallenden Parkplätze. Die Initiative Laurentiusplatz.Machen suchte trotzdem das Gespräch.

Eine frühere Gegnerin entschied sich später für einen Garagenplatz, weil sie die kulturellen Aktivitäten vor ihrer Haustür zu schätzen weiß. Heute besucht sie regelmäßig die Veranstaltungen am Laurentiusplatz.

Für Christine und Peter ist das ein wichtiger Erfolg. Sie wollen unterschiedliche Interessen nicht gegeneinander ausspielen. Statt nur gegen etwas zu protestieren, bringen sie kreative Vorschläge und laden andere zum Mitgestalten ein.

Das Grätzllabor als Brücke

Das Grätzllabor Penzing unterstützt Christine und Peter dabei, ihre Ideen weiterzuentwickeln. Es schafft Verbindungen zu Bezirk, Verwaltung und anderen Grätzllabor-Initiativen.

Diese Vermittlung ist wichtig. Denn zwischen einer Idee und ihrer Umsetzung liegen oft viele Fragen: Wer ist zuständig? Was ist erlaubt? Welche Unterstützung gibt es und welche Interessen müssen noch zusammengebracht werden?

Die beiden sind inzwischen auch als Grätzlmacher:innen in der Steuerungsgruppe des Grätzllabors Penzing aktiv. In diesem partizipativen Gremium stimmen sich Vertreter:innen aus Bezirk, Politik und Zivilgesellschaft über Entwicklungen im Grätzl gemeinsam ab.

Für Peter hat diese Form der Beteiligung eine besondere Bedeutung. Er lebt seit 20 Jahren in Österreich, besitzt aber keinen österreichischen Pass und darf deshalb nicht wählen. Durch das Grätzllabor kann er seine Perspektive trotzdem einbringen und sein direktes Lebensumfeld mitgestalten.

„We will be back!“

Ende September 2025 musste die Gruppe die Pflanzen wieder wegräumen, obwohl sie über den Sommer schön angewachsen waren. Doch die Fläche wurde erneut den parkenden Autos überlassen.

Christine, Peter und ihre Mitstreiter:innen wollten das nicht einfach hinnehmen und begannen an einer dauerhaften Veränderung am Laurentiusplatz zu arbeiten. Gemeinsam mit dem Bezirk entwickelten sie einen Plan für solidere Hochbeete, bessere Sitzmöglichkeiten und, so die Hoffnung, eine Nutzung über das ganze Jahr.

Die Hochbeete dürfen inzwischen über den Herbst/Winter zusammengerückt am Laurentiusplatz bleiben. Nun folgt der nächste große Schritt.

GRÄTZILLA legt in Breitensee an

Auf zwei ehemaligen Parkplätzen soll ab September 2026 eine neue Grätzloase entstehen: GRÄTZILLA, ein rund zehn Meter langes, begehbares „Schiff“ aus Holz.

Die Form erinnert an eine Zille, ein für den Donauraum typisches Boot. Der Entwurf will an die Geschichte von Breitensee erinnern: Denn der Stadtteil verdankt seinen Namen einem See oder Dorfteich, der sich dort bis Mitte des 19. Jahrhunderts befand.

GRÄTZILLA soll das ganze Jahr über für alle zugänglich sein. Mit Sitzplätzen, Pflanzen und Beschattung durch eine Pergola. Sie ist Werkstatt, kleine Kulturbühne, Lernort, Spielfläche und Platz zum Ausruhen zugleich.

Das Aktionsprogramm Grätzloase unterstützt die Umsetzung bereits. Weil der besondere Entwurf und der sichere Bau durch eine Tischlerei aber mehr Kosten verursachen, hat das Team zusätzlich eine Crowdfunding-Kampagne gestartet.

In einzelnen Etappenzielen kommt jede Spende an und hilft, die Anteile von Material über Aufbau vor Ort bis zur Pergola mit Bepflanzung zu finanzieren.

Warum sind Christine und Peter Grätzlheld:innen?

Christine und Peter sehen einen zugeparkten grauen Straßenabschnitt und fragen: Was könnten wir daraus machen?

Sie bringen Kultur, Natur und Nachbarschaft zusammen. Sie machen sich Gedanken über den öffentlichen Raum, kümmern sich um Pflanzen, organisieren Veranstaltungen, führen Gespräche und bleiben auch dann dran, wenn etwas nicht sofort funktioniert.

Dabei gestalten sie nicht nur ihre eigenen Programmideen. Sie bauen eine offene Infrastruktur, die andere mit ihren Ideen füllen können. So wird aus einem Straßenstück ein gemeinschaftlicher Platz und bald aus zwei Parkplätzen ein Schiff für Breitensee.

Alle an Bord!

GRÄTZILLA gehört allen und soll daher mit Unterstützung vieler Menschen entstehen. Jeder Beitrag hilft dabei, das Grätzlschiff sicher zu bauen, zu bepflanzen und langfristig für die Nachbarschaft und Kooperationen nutzbar zu machen.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann über die gemeinnützige Plattform GoodCrowd spenden oder die Crowdfunding-Kampagne im eigenen Netzwerk teilen, damit GRÄTZILLA bald am Breitenseer Laurentiusplatz anlegen kann.

>> GRÄTZILLA unterstützen!

Hinweis: Dieser Beitrag stammt von Bürger:innen, die sich im Aktionsprogramm Grätzloase engagieren. Für die Inhalte sind die Bürger:innen daher selbst verantwortlich. 

Hinweis: Dieser Beitrag stammt von Bürger:innen, die sich im Grätzllabor engagieren. Für die Inhalte sind die Bürger:innen daher selbst verantwortlich.