Beim Klimafest am Stephansplatz standen nicht nur Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Mittelpunkt, sondern vor allem die Menschen, die das Grätzl lebendig machen. Gemeinsam mit dem carla Stephansplatz durfte das Grätzllabor Innere Stadt einen Nachmittag gestalten, der Raum für Begegnungen, Gespräche und neue Verbindungen geschaffen hat.
Für Paula Penner, Leiterin des carla Stephansplatz, sind genau diese Momente besonders wertvoll: Wenn Menschen stehen bleiben, miteinander ins Gespräch kommen und entdecken, was sie verbindet. Im Interview erzählt sie, wie sie das erste Klimafest erlebt hat, warum Nachbarschaft im Herzen Wiens wichtig ist und was für sie ein gutes Klima im Grätzl ausmacht.
Wie ist das Klimafest aus deiner Sicht gelaufen?
Das Klimafest war insgesamt eine schöne Veranstaltung. Es war generell ein ruhigerer Montagnachmittag in der Innenstadt und die Besucher:innen überschaubar, dennoch sind immer wieder Menschen stehen geblieben, haben sich informiert, Gespräche geführt und Interesse an den verschiedenen Angeboten gezeigt. Gerade diese persönlichen Begegnungen haben das Fest für uns wertvoll gemacht.
Was hat dich überrascht?
Mich hat gefreut, wie offen viele Passant:innen auf die Angebote reagiert haben. Auch Menschen, die ursprünglich nur vorbeigehen wollten, haben sich Zeit genommen, Fragen gestellt oder sich mit den Themen Nachhaltigkeit, Wiederverwendung und Nachbarschaft beschäftigt.
Gab es etwas, das ganz anders war als erwartet?
Da das Format zum ersten Mal stattgefunden hat, war spürbar, dass solche nachbarschaftlichen Veranstaltungen im ersten Bezirk noch nicht selbstverständlich sind und Kontakte zunächst eher vorsichtig entstehen. Umso schöner war es zu sehen, dass viele Menschen dennoch stehen geblieben sind, sich eingebracht und ausgetauscht haben. Das Grätzllabor leistet hier einen wichtigen Beitrag, solche Begegnungen überhaupt möglich zu machen.
Und natürlich: Wie hat die Zusammenarbeit mit dem Grätzllabor funktioniert? Du darfst ruhig ganz ehrlich sein. 🙂
Die Zusammenarbeit mit dem Grätzllabor Innere Stadt war sehr angenehm und unkompliziert. Man hat gemerkt, dass alle Beteiligten das gemeinsame Ziel verfolgen, Menschen im Grätzl zusammenzubringen und nachhaltige Themen sichtbar zu machen. Die Organisation und Abstimmung haben gut funktioniert, wir durften eigene Ideen einbringen und haben uns sehr auf Augenhöhe wahrgenommen gefühlt. Besonders positiv war auch, dass unsere Vorschläge und Ideen mit offenen Armen aufgenommen wurden und wir viel Raum hatten, diese aktiv in die Gestaltung einzubringen.
Eine schöne zusätzliche Verbindung ergab sich durch Giorgio, der im Grätzllabor aktiv ist und uns vor Ort als Freiwilliger unterstützt hat. Er hat beim Klimafest mit den Besucher:innen über ihre Lieblingsbücher gesprochen und so auf ganz persönliche Weise den Austausch gefördert. Dadurch wurde die Zusammenarbeit noch einmal greifbarer und hat die Verbindung zwischen dem Grätzllabor und dem carla Stephansplatz zusätzlich gestärkt.
Hinter dem Klimafest steckt ja auch die Idee, für ein gutes Klima im Grätzl zu sorgen. Was bedeutet „gutes Klima“ für dich persönlich, hier am Stephansplatz und im ersten Bezirk?
Ein gutes Klima bedeutet für mich weit mehr als Klimaschutz im ökologischen Sinn. Es geht auch um Begegnung, Austausch und gegenseitige Unterstützung. Gerade im ersten Bezirk, der oft als touristischer Ort wahrgenommen wird, sind Orte wichtig, an denen Nachbarschaft und Gemeinschaft entstehen können.
Die Initiative „Wir schaffen gutes Klima“ holt engagierte Betriebe vor den Vorhang. Was gibt es hier rund um die carla, das aus deiner Sicht besonders zu einem guten Klima im Grätzl beiträgt?
Rund ums carla erleben wir Menschen und Organisationen, die sich für Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und ein lebenswertes Umfeld einsetzen. Besonders wichtig ist dabei, dass unterschiedliche Menschen zusammenkommen und voneinander lernen können. Solche Begegnungsorte tragen wesentlich zu einem guten Klima im Grätzl bei.
Gleichzeitig ist die Vernetzung der verschiedenen Akteurinnen besonders wertvoll: Wenn Betriebe, Initiativen, soziale Einrichtungen und engagierte Nachbarinnen miteinander in Kontakt kommen, entstehen neue Ideen und Kooperationen. Gemeinsam an einem nachhaltigen, lebenswerten und offenen Grätzl zu arbeiten, schafft eine stärkere Wirkung, als wenn jede:r für sich alleine aktiv ist.
Gibt es Betriebe, Organisationen oder Personen, die du in diesem Zusammenhang besonders hervorheben möchtest?
Das INIGO ist ein schönes Beispiel dafür, wie soziale Verantwortung, Nachhaltigkeit und Gastfreundschaft miteinander verbunden werden können. Gleichzeitig gibt es viele weitere Initiativen und engagierte Menschen, die oft im Hintergrund wirken und das Grätzl lebendig machen.
Wie erlebst du den Austausch mit den Bewohner*innen und Menschen im Umfeld der carla? Entstehen persönliche Beziehungen oder ist das im Alltag eher schwierig?
Generell wurden wir von der Nachbarschaft sehr herzlich aufgenommen, und viele Menschen freuen sich, dass das carla Teil des Grätzls ist. Wir erleben immer wieder, dass aus kurzen Begegnungen regelmäßige Kontakte entstehen. Viele kommen nicht nur zum Einkaufen oder Spenden vorbei, sondern auch, um sich auszutauschen, Fragen zu stellen oder einfach um ein bisschen zu plaudern.
Gerade in der Innenstadt, wo der Alltag oft von Hektik und Anonymität geprägt ist, schätzen wir diese persönlichen Begegnungen sehr. Umso wichtiger sind Orte und Gelegenheiten, die Menschen miteinander ins Gespräch bringen.
Möchtest du auch etwas über die carla erzählen? Gibt es Angebote oder Aktivitäten, die speziell für die Nachbarschaft gedacht sind?
Das carla Stephansplatz ist weit mehr als ein Secondhand-Shop. Wir verstehen uns auch als Ort der Begegnung und der gelebten Nachhaltigkeit. Mit unserem Angebot ermöglichen wir ressourcenschonenden Konsum und schaffen gleichzeitig einen Raum, in dem Menschen nicht nur einkaufen oder einen Arbeitsplatz finden, sondern miteinander ins Gespräch kommen können.
Veranstaltungen wie das Klimafest sind ein schöner Teil davon. Darüber hinaus organisieren wir regelmäßig Veranstaltungen für unsere Kund:innen und die Nachbarschaft, etwa unser Late-Night-Shopping, das zweimal im Jahr stattfindet. Kürzlich hatten wir außerdem eine Kinderlesung, die von der Nachbarschaft sehr gut angenommen wurde und auf großes Interesse gestoßen ist, damit auch die Kleinsten von unseren Angeboten profitieren können.
Dabei freuen wir uns besonders, viele bekannte Gesichter wiederzusehen und zu erleben, wie sich über die Zeit eine echte Verbundenheit mit dem Standort entwickelt.
Ausblick
Was wünschst du dir für ein gutes Klima im Grätzl in den kommenden Jahren?
Ich wünsche mir noch mehr Begegnungsmöglichkeiten und Kooperationen zwischen Betrieben, Initiativen und Bewohner:innen. Ein lebendiges Grätzl entsteht dort, wo Menschen einander kennen und gemeinsam Verantwortung für ihren Lebensraum übernehmen.
Was braucht es aus deiner Sicht, damit Menschen gut miteinander leben können?
Offenheit, Respekt und die Bereitschaft zuzuhören. Oft sind es die kleinen Begegnungen im Alltag, die Vertrauen schaffen und Gemeinschaft entstehen lassen.
Wird es wieder ein Klimafest geben?
Das würden wir uns wünschen. Das Klimafest hat gezeigt, dass es Interesse an solchen Formaten gibt und dass sie Menschen zusammenbringen können. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, sind wir gerne wieder dabei.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Cornelia Ehmayer-Rosinak.