Ein Spaziergang durch Breitensee: Entdeckungen und Gemeinschaft

Es ist schon spannend: Obwohl du jeden Tag an dieser einen Ecke in deinem Grätzl vorbeigehst, gibt es sicher einiges, das dich an ihr noch verblüffen könnte! Eine Gruppe engagierter Nachbar:innen hat Anfang Juni eingeladen, Breitensee mal ganz anders auf sich wirken zu lassen. Im Fokus des zweistündigen Spaziergangs standen Grünräume. Erstaunliche History-Facts mischten sich immer wieder hinein.

Das Besondere: Nicht extern gebuchte Guides, sondern die Bewohner:innen von Breitensee selbst gestalteten die Tour.

Treffpunkt war die Sitzbank auf dem dreiecksförmigen kleinen Verweilplatz zwischen Hütteldorferstraße und Kienmayergasse, mit (damals noch) großem Baum und begrünten Baumscheiben. Unser erster Halt führte uns zum H.C. Artmann Park, der Anfang der 2000er Jahre mit fast allen Bäumen einer Tiefgarage weichen sollte. Eine Bürger:innen-Initiative hatte sich stark dagegen ausgesprochen und sie konnten den Park retten. Ein eindrucksvolles Beispiel, wie wirksam bürgerliches Engagement sein kann!

Auf unserem Weg fiel uns der Kontrast zwischen zwei Straßen auf: Während in der Kienmayergasse kein einziger Baum steht, ist die Kuefsteingasse von Bäumen gesäumt. Der Unterschied, den die Bäume für das Wohlbefinden und die Lebensqualität machen, war sofort für alle spürbar.

Am Akkonplatz erfuhren wir von Karl Stromberger von der Initiative Schanzstraße, die sich für den Erhalt des Baumbestands einsetzt. Hier ritt einst der Kaiser zu den Manövern auf der Schmelz hoch zu Ross vorbei, und ein weiteres altes Foto zeigt, wie wenig Autos hier früher mehr Platz für Fußgänger:innen ließen. Als nächstes besuchten wir den Gemeinschaftsgarten Ibsengarten. Hier garteln Anrainer:innen, eine Schule, ein Kindergarten und ein Mutter-Kind Haus alle gemeinsam.

In der Breitenseer Straße erlaubte uns Roswitha einen Rundgang in ihrem wunderschönen Garten, inmitten verbauter Häuserblöcke, der auch ihre Katze freut. „Dass ich hier mal reinkomme, hätte ich nie gedacht!“, sagte ein Teilnehmer, der uns verriet, dass er beim Vorbeispazieren schon oft in die prachtvolle Oase gespäht hatte.

Am Laurentiusplatz besuchten wir den Gemeinschaftsgarten Park GUEL. Gerhard Koudela zeigte uns den tollen, mietbaren Pizzaofen. Auch hier nehmen Anrainer:innen die Begrünung in vielen bunten Hochbeete selbst in die Hand.

Unser nächster Stopp war in der Muthsamgasse am Ordeltpark, wo wir die Neugestaltung des Schulvorplatzes erkundeten. Hier erstreckte sich einst ein riesiger Park von der Kaserne bis fast rauf zur Schmelz. Die Umgestaltung rief trotz der schönen neuen Bäume einige Fragen auf: Versickert das Regenwasser auf den versiegelten Flächen und warum wurde Rollrasen verlegt, statt eine echte Wiese wachsen zu lassen? Warum schneidet hier uns die weiterhin stark befahrene Spallartgasse den Weg ab? Wir rätselten ebenfalls, ob sich wirklich in der Nähe der Kaserne ein Bunker befand…

Das nächste Grünjuwel unserer Tour kannten viele Anrainer:innen noch gar nicht. Der Jutta-Steier Park liegt etwas versteckt zwischen großen Neubauten und der Kaserne. Hier erhielten wir Einblicke in die Öffnung der Parkanlage, welche sich die Stadt und Bauträger in der Betreuung teilen, was man auch sehr gut an der Gestaltung (und Übersichtskarte) erkennen kann: An manchen Stellen sieht der Bewuchs bewusst naturnah aus, es gibt einen Totholzhaufen, einige Bereiche sind privat abgezäunt und dicht an den Wohnblöcken leider schon von der Bauphase sichtlich gestresste Bäume. Die Parkbeleuchtung wird zum Schutz der Fledermäuse nachts ausgestellt.

Unser letzter Halt führte uns zum Bahaí Zentrum, bei dem wir den überraschend großen Gartenbewundern, einen Blick in das eindrucksvolle ehemalige Militärcasino-Gebäude werfen durften und den Spaziergang ausklingen ließen. Dieser heute so friedliche und gepflegte Garten bot einen perfekten Abschluss unserer Tour.

Wir möchten allen, die an diesem Spaziergang teilgenommen haben, für die vielseitigen Beiträge danken. Ein besonderes Dankeschön geht an die engagierte Gruppe, die den Spaziergang organisiert hat, an Karl Stromberger für seinen großen Wissensschatz, an Roswitha, die uns in ihren Privatgarten eingeladen hat, an Gerhard Koudela vom Park GueL Gartlprojekt für seine Geschichten sowie an Sascha vom Bahaí Zentrum für die Einladung und Führung.

Dieser Spaziergang durch Breitensee hat uns gezeigt, wie wichtig grüne Räume und gemeinschaftliches Engagement für die Lebensqualität in der Stadt sind. Wir hoffen, dass solche Initiativen auch in Zukunft fortgesetzt und unterstützt werden.

Hinweis: Dieser Beitrag stammt von Bürger:innen, die sich im Aktionsprogramm Grätzloase engagieren. Für die Inhalte sind die Bürger:innen daher selbst verantwortlich. 

Hinweis: Dieser Beitrag stammt von Bürger:innen, die sich im Grätzllabor engagieren. Für die Inhalte sind die Bürger:innen daher selbst verantwortlich.