Susanne vom Grätzllabor Neubau erzählt, wie das Projekt „Schönes Gassi“ gemeinsam mit sechs weiteren Grätzl-Aktiven der Gruppe “Draußen in Neubau” entstanden ist – und warum ein kleines Flascherl Wasser viel für unsere Bäume und Grünflächen bewirken kann.
Du bist selbst erst seit Kurzem Hundebesitzerin. Was hat sich dadurch an deinem Blick auf das Gassi-Gehen verändert?
Seit ich selbst einen Hund habe, sehe ich das Gassi-Gehen mit aufmerksamen Augen. Vorher war mir theoretisch klar, dass Hunde Schnüffelzeit brauchen und über das Markieren kommunizieren, aber erst im Alltag versteht man, wie oft sich Hunde tatsächlich lösen und wie selbstverständlich wir Menschen sie dabei gewähren lassen.Gleichzeitig fällt einem als Hundebesitzerin viel stärker auf, wie sehr die Stadtbäume und Grünflächen unter Stress stehen.
Wenn man täglich unterwegs ist, sieht man die grauen Rindenstellen und die beschädigten Pflanzen plötzlich nicht mehr als „Stadtbild“, sondern als direkte Folge unseres eigenen Handelns. Das sieht man dann überall – und man merkt: Wir können das wirklich beeinflussen. Was sich also verändert hat? Ich habe ein viel bewussteres Gefühl dafür entwickelt, wo mein Hund markiert und welche Folgen das hat. Und ich habe gelernt, dass Rücksichtnahme beim Gassi-Gehen nichts mit Verboten zu tun hat, sondern mit kleinen, machbaren Handgriffen. Eine Wasserflasche mitzunehmen und nach dem Lösen nachzuspülen ist kein Aufwand – aber sie macht einen großen Unterschied für die Bäume und Pflanzen, die unser Grätzl kühlen und lebenswert machen.
Wie ist die Idee für „Schönes Gassi“ im Grätzllabor entstanden – und was hat euch daran besonders überzeugt?
Die Idee entstand direkt aus dem Alltag im Bezirk – aus Beobachtungen, Gesprächen mit Anrainerinnen und Hundebesitzerinnen und aus der Frage, wie man das Zusammenleben von Hund, Mensch und Baum noch besser gestalten kann.
Das „Flascherl zum Sackerl“ ist eine einfache Idee. Wie hilft ein bisschen Wasser unseren Bäumen und Grünflächen?
Im Grätzllabor arbeiten wir oft mit der Frage: Welche kleinen, machbaren Schritte können große Wirkung haben? Die Lösung ist überraschend simpel: Eine kleine Flasche Wasser mitnehmen und den Urin direkt nach dem Absetzen verdünnen, frischer Urin ist sehr gut wasserlöslich, vor allem wenn man ihn sofort mit Wasser verdünnt. Zusätzlich mindert das die Geruchsbelastung.Was mich persönlich besonders überzeugt hat, ist die doppelte Wirkung: Die Hunde können weiterhin schnüffeln, markieren und kommunizieren, denn sogar wasserverdünnter Urin transportiert alle wichtigen Infos von Hund zu Hund.
Was macht für dich persönlich ein „schönes Gassi“ aus – und was möchtest du anderen Hundebesitzer:innen mitgeben?
Ein “schönes Gassi”ist für mich immer eine Mischung aus Ruhe, Rücksicht und echter Verbindung – mit dem Hund und mit dem Grätzl. Seit ich selbst einen Hund habe, merke ich, wie viel Qualität ein Spaziergang haben kann, wenn man ihn bewusst gestaltet. Und genau das möchte ich anderen Hundebesitzer:innen mitgeben.
Danke für das Gespräch!

