Am 28. Mai 2026 hieß es wieder: Mitgehen & Mitreden. Gemeinsam mit Vertreter:innen der lokalen Wirtschaft, der Wirtschaftskammer Wien, der IG Kaufleute Neubau, Grätzllabor Neubau und Bewohner:innen machten wir uns auf den Weg durch die Erdgeschoß-Zonen des Bezirks. Ziel war es, Betriebe kennenzulernen, hinter die Kulissen zu blicken und zu erfahren, welchen Mehrwert die Erdgeschoss-Lokale für das Grätzl mitbringen.
Unsere Stationen führten uns zum Bergfuchs, Osttiroler Binter, Wald & Wiese und schließlich ins Gasthaus Mitzitant. Schnell wurde deutlich: Die Betriebe sind weit mehr als Orte des Konsums – sie sind Treffpunkte, Nachbarschaftszentren und soziale Knotenpunkte im Alltag vieler Menschen.
Mehr als verkaufen: Beziehungen schaffen
Beim Bergfuchs betonte der Eigentümer die Bedeutung persönlicher Beziehungen: „Es geht um viel mehr als ums Verkaufen. Es geht um die Beziehung zu den Leuten, darum, sich Zeit zu nehmen und nach bestem Wissen Empfehlungen auszusprechen, hinter denen man selbst auch steht.“
Auch beim Osttiroler Binter zeigte sich, dass Betriebe im Grätzl mehr leisten als reine Versorgung: „Es ist wichtig, den Leuten im Grätzl mehr anzubieten als ‚nur‘ einen Treffpunkt.“, so der Betreiber Stefan Binter.
Viele Kund:innen kommen nicht nur wegen der Produkte, sondern für Austausch, vertraute Gesichter und Atmosphäre – Orte, die Begegnung und Gemeinschaft ermöglichen. So schaffte es Binter, aus einem eher unauffälligen Teil der Seidengasse einen Ort für Nachbarschaft und Gourmet-Liebhaber zu etablieren.
Erdgeschoßlokale als Seismographen des Bezirks
Bei Wald & Wiese wurde klar, welche zentrale Rolle Erdgeschoßlokale für das soziale Gefüge des Bezirks spielen. Kurt Wilhelm erläuterte:„Den Erdgeschoßzonen kommt eine besondere Rolle zu: Die Kund:innen kommen und fragen uns, was es mit der Baustelle auf sich hat, oder wünschen sich einen Flaniermarkt. Wir sind ihre Ansprechpersonen für allerhand Anliegen im Bezirk.“
Er betonte außerdem die Notwendigkeit einer Balance zwischen Beständigkeit und neuen Angeboten: „Es braucht eine gute Balance zwischen Veränderung und Beständigkeit – damit neue Ideen Platz finden und gleichzeitig bewährte Angebote erhalten bleiben.“
Was alle Stationen verbindet
Ob Fachgeschäft, Lebensmittelbetrieb oder Gastronomielokal – alle Stationen zeigen: Sie leisten einen Beitrag für das soziale Leben im Grätzl. Kund:innen kommen nicht nur zum Einkaufen oder Essen, sondern tauschen sich aus, holen Empfehlungen ein oder suchen Beratung. Die Betriebe schaffen Orte der Begegnung, des Austauschs und der Identifikation mit dem Bezirk.
Spannungsfelder und offene Fragen
Während des Spaziergangs wurden Fragen diskutiert wie:
- Was macht ein Lieblingslokal aus?
- Wann kaufen wir bewusst vor Ort, wann online?
- Wie können auch weniger frequentierte Gassen sichtbar bleiben?
- Welche Auswirkungen hat Leerstand?
- Was braucht es, damit ein Grätzl lebendig bleibt?
Themen wie Nutzung öffentlicher Flächen, Ruhe vs. Lebendigkeit, Konkurrenz durch Großkonzerne, Leerstand und unterschiedliche Bedürfnisse von Bewohner:innen, Arbeitenden und Besucher:innen wurden angesprochen – ein Spiegel der komplexen Realitäten im Bezirk.
Ausklang bei der Mitzitant
Den Abschluss bildete ein entspanntes Ausklingen im Gasthaus Mitzitant. Hier wurden viele Themen vertieft: von der Geschichte des Grätzls über Visionen für die Zukunft bis zu konkreten Fragen zu Parkplätzen, Barrierefreiheit und Belebung des öffentlichen Raums. Gerade dieser offene Austausch zeigte, wie wertvoll der EG-Zonen-Spaziergang für Neubau ist.
Was wir uns mitnehmen
Der Spaziergang hat einmal mehr verdeutlicht, wie viel Engagement, Wissen und Erfahrung in den Betrieben des Bezirks steckt. Sie sind mehr als Geschäftslokale: Sie sind soziale Ankerpunkte, Orte der Begegnung und Impulsgeber für das Grätzl. Die gesammelten Beobachtungen fließen in die Arbeit des Grätzllabors Neubau ein und bilden die Grundlage für kommende Diskussionen.
Denn ein lebendiger Bezirk entsteht dort, wo Menschen miteinander reden, Ideen teilen und gemeinsam darüber nachdenken, wie ihr Grätzl auch in Zukunft ein guter Ort zum Leben, Arbeiten und Begegnen bleibt.



