Wie wachsen Stadtbäume unter den Bedingungen des Klimawandels? Welche Herausforderungen bringt der Straßenraum mit sich und warum gilt das Wiener Baumschutzgesetz als das strengste Europas?
Diesen und vielen weiteren Fragen widmete sich der Stadtbaum-Talk am 25. Juni 2026 mit Wolfgang Orasche von den Wiener Stadtgärten.
Dabei wurde deutlich, dass Straßenbäume unter besonders schwierigen Bedingungen wachsen:
Wenig Wurzelraum, Hitze, Trockenheit und versiegelte Flächen machen den Straßenraum zu einem Extremstandort. Oder, wie Wolfgang Orasche es treffend formulierte: „Wenn Bäume Sneakers hätten, würden sie weglaufen, weil die Stadt kein guter Standort ist.“
Um Stadtbäume an den Klimawandel anzupassen, setzt Wien auf moderne Lösungen: Neu gepflanzte Straßenbäume werden automatisch bewässert, während speziell entwickelte Substrate Wasser besonders gut speichern und so den Bewässerungsbedarf reduzieren. Gut zu wissen: Zusätzliches Gießen durch Bewohner:innen ist daher bei diesen Straßenbäumen nicht notwendig und kann das sensible System sogar beeinträchtigen.
Auch die Auswahl der Baumarten für unsere Stadt verändert sich: Während Ahorn und Kastanie zunehmend unter Hitze leiden und sogar Sonnenbrand bekommen können, kommen heute verstärkt mediterrane Arten zum Einsatz. Dabei profitieren die Wiener Stadtgärten vom regelmäßigen Austausch mit anderen europäischen Städten, die vor ähnlichen klimatischen Herausforderungen stehen.
Entscheidend für ein langes Baumleben ist außerdem ausreichend Wurzelraum. Als Faustregel gilt: Je größer die Baumkrone, desto mehr Platz benötigen die Wurzeln. Für Neupflanzungen im Straßenraum sollte eine Baumgrube daher mindestens 15 Kubikmeter umfassen. Unter diesen Bedingungen können Straßenbäume rund 70 bis 80 Jahre alt werden – deutlich weniger als ihre Artgenossen in freier Natur, die oft mehrere hundert Jahre erreichen.
Am Beispiel der Mariahilfer Straße wurde zudem veranschaulicht, wie die Stadtplanung das Wachstum von Bäumen beeinflusst. Weil die Straßenbeleuchtung in der Mariahilfer Straße sehr hoch angebracht ist, mussten die Bäume so erzogen werden, dass ihre Kronen noch über die Beleuchtungskörper hinauswachsen. Heute befinden sich die Baumkronen in einer Höhe von mehr als zwölf Metern – weshalb sie von manchen Passant:innen kaum wahrgenommen werden.
Ein weiterer Schwerpunkt unseres Gespräches war das Wiener Baumschutzgesetz. Seit 1974 schützt es Bäume nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch auf Privatgrundstücken. Muss ein geschützter Baum entfernt werden, ist grundsätzlich eine Ersatzpflanzung innerhalb des Bezirks vorgeschrieben. Erfolgt diese nicht, wird eine Ausgleichsabgabe von 5.000 Euro fällig.
Der Stadtbaum-Talk zeigte eindrucksvoll, wie viel Fachwissen, Planung und innovative Technik notwendig sind, damit Bäume auch unter den herausfordernden Bedingungen einer Großstadt gedeihen können – und welchen unverzichtbaren Beitrag sie für Kühlung, Lebensqualität und Klimaanpassung leisten.
Wir bedanken uns herzlich bei Wolfgang Orasche für die spannenden Einblicke sowie bei den Teilnehmer:innen für die interessierten Fragen und den anregenden Austausch.