Grätzllabor
Innere Stadt

Warum gutes Klima im Sozialen beginnt

Karl Wrenkh im Gespräch über Nachbarschaft, Gemeinschaft und seine Vision für den Bauernmarkt

Seit rund zehn Jahren engagiert sich Karl Wrenkh im Grätzllabor Innere Stadt. Der Koch, Unternehmer und Inhaber des Restaurants Wrenkh setzt sich gemeinsam mit anderen Engagierten für einen lebenswerteren öffentlichen Raum rund um den Bauernmarkt ein. Mit kleinen Get-togethers, Ideen für mehr Grün und dem Wunsch nach weniger Autoverkehr möchte die Projektgruppe „Bauernmarkt“ Begegnungen fördern und die Nachbarschaft stärken.

Im Gespräch erzählt Karl Wrenkh, warum gutes Klima immer im Sozialen beginnt, weshalb der erste Bezirk für ihn eigentlich ein Dorf ist und warum schon ein Baum und eine Bank viel verändern können.

Karl, du engagierst dich schon seit vielen Jahren im Grätzllabor Innere Stadt. Was hat dich damals motiviert mitzumachen?

Ich bin ungefähr seit 2015 dabei. Damals ist die Lokale Agenda 21 auf uns zugekommen, weil es im ersten Bezirk nicht viele Menschen gibt, die hier sowohl wohnen als auch arbeiten. Das trifft auf mich zu.

Meine große Motivation war von Anfang an, den öffentlichen Raum wieder stärker den Menschen zurückzugeben. Besonders während des Lockdowns hat man gesehen, wie schön eine Stadt sein kann, wenn weniger Autos unterwegs sind und wieder Platz für Begegnung, Familien und Aufenthalt entsteht.

Ich möchte die Menschen nicht über ein schlechtes Gewissen überzeugen, sondern zeigen, was wir gewinnen können, wenn wir den öffentlichen Raum wieder öffentlich machen.

Ihr organisiert regelmäßig Get-togethers am Bauernmarkt. Was bewirken diese Treffen?

Ich finde, wir haben in den letzten zehn Jahren einiges erreicht. Früher gab es kaum Zustimmung für eine Verkehrsberuhigung. Heute erleben wir, dass eine Mehrheit der Bewohner:innen weniger Autoverkehr möchte. Das hat sich deutlich verändert.

Auch unser Get-together Ende Juni war ein schöner Erfolg. Im ersten Bezirk wohnen nicht besonders viele Menschen. Wenn dann zwanzig Nachbar:innen zusammenkommen, miteinander ins Gespräch kommen und sich auch die verschiedenen Projektgruppen gegenseitig besuchen, dann ist das genau das, was wir erreichen wollen.

Eine lebendige Stadt braucht Orte, an denen Menschen einfach zusammenkommen können – nicht nur konsumieren. Davon gibt es im ersten Bezirk noch viel zu wenige.

Was bedeutet für dich persönlich ein „gutes Klima“ im Grätzl?

Gutes Klima beginnt immer im Sozialen.

Dort, wo Gemeinschaft entsteht, entsteht auch Nachhaltigkeit. Wenn Menschen ständig Existenzsorgen haben, bleibt kaum Energie, sich für die Nachbarschaft einzusetzen. Deshalb beginnt für mich alles mit einfachen Dingen: einander grüßen, kurz stehen bleiben, miteinander reden.

Der erste Bezirk ist eigentlich wie ein Dorf. Es wohnen gar nicht so viele Menschen hier. Gerade deshalb steckt eine große Chance darin, sich zu kennen und aufeinander zuzugehen.

Welche Verantwortung haben Betriebe für ein gutes Klima im Grätzl?

Ich finde, Unternehmen haben Verantwortung – gegenüber der Umwelt genauso wie gegenüber ihrer Nachbarschaft.

Wer wirtschaftlich denkt, sollte Interesse daran haben, dass es seinem Umfeld gut geht. Schließlich leben wir von unseren Kundinnen und Kunden. Deshalb gehört für mich dazu, sozial und umweltverträglich zu handeln und einen positiven Beitrag für das Grätzl zu leisten.

Natürlich gefällt mir der Gedanke noch besser, Verantwortung nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen zu übernehmen, sondern weil man Gemeinschaft stärken möchte.

Entstehen dadurch auch persönliche Beziehungen?

Ja, auf jeden Fall. Natürlich kann man bei einem Restaurantbetrieb nicht mit allen Gästen enge Beziehungen aufbauen. Aber es entstehen Freundschaften und man kennt sich über viele Jahre hinweg. Ich würde viele Menschen sogar noch lieber besser kennenlernen, als es der Alltag zulässt.

Ihr ladet die Nachbarschaft immer wieder zu euch ein. Was ist dir dabei besonders wichtig?

Kommt mit uns ins Gespräch!

Wenn jemand neu im Grätzl ist und hereinkommt und sagt: „Hallo, ich wohne jetzt hier“, dann freuen wir uns sehr darüber. Genau so entstehen Nachbarschaften.

Natürlich unterstützen wir auch Feste oder besondere Anlässe. Aber am wichtigsten ist dieses einfache Aufeinanderzugehen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Was wünschst du dir für die Zukunft des ersten Bezirks?

Ich wünsche mir mehr Grün und weniger Autos.

Manchmal braucht es gar nicht viel: einen Baum, eine Bank oder einen kleinen Platz, an dem Menschen sitzen können. Solche Orte erhöhen die Lebensqualität enorm.

Und ich wünsche mir, dass wir wieder etwas stärker dörflich denken. Man muss nicht mit allen eng befreundet sein. Aber es ist eine große Qualität, den eigenen Nachbarn zu kennen, sich zu grüßen und aufeinander zu achten. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen älter werden und häufiger allein leben, wird das immer wichtiger.

Wird es wieder ein Get-together geben?

Ja, ganz sicher. Wir planen bereits das nächste Treffen – wahrscheinlich im Herbst oder zur Weihnachtszeit. Wir freuen uns schon jetzt auf viele bekannte und neue Gesichter.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Cornelia Ehmayer-Rosinak.

Hinweis: Dieser Beitrag stammt von Bürger:innen, die sich im Aktionsprogramm Grätzloase engagieren. Für die Inhalte sind die Bürger:innen daher selbst verantwortlich. 

Hinweis: Dieser Beitrag stammt von Bürger:innen, die sich im Grätzllabor engagieren. Für die Inhalte sind die Bürger:innen daher selbst verantwortlich.